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Sein Wirken

Die Jegelscheune

1995 bis 2000 - Etablierung

Der Wendelsteiner Sommer ist als anerkannte Musikreihe etabliert und erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit mit Zuschauern aus weiten Teilen Bayerns. Im Laufe der Jahre gewinnen wir viele liebe Stammgäste, die nicht nur aus Wendelstein und dem Großraum Nürnberg kommen, sondern die regelmäßig einen weiten Weg auf sich nehmen und z. B. aus Augsburg, aus Coburg, aus Ingolstadt und etlichen anderen Gegenden anreisen, um die großartigen MusikerInnen in der Jegelscheune nicht zu verpassen. Es gibt weltweite Musikerbewerbungen. Die Beschreibung „exclusiv und hautnah“ verspricht nicht nur intimen Charakter sondern gewährleistet ihn auch: Besucher, Musiker/innen und Veranstalter auf Tuchfühlung. 

Auf den folgenden Seiten präsentiere ich meine ganz persönliche Auswahl an Musikern und Musikerinnen bzw. hebe KünstlerInnen hervor, die Gerd mit besonderer Ankündigung bedacht hatte. Sämtliche Veranstaltungen zu erwähnen und alle Darbietungen zu würdigen würde den Rahmen dieses Textes sprengen. Es gibt etliche Musiker, die ganz hervorragend waren/sind, die hier leider durch ein Erinnerungsnetz fallen. Wiederholungskonzerte werde ich nicht oder nur aufzählend erwähnen. Ich fühlte mich immer als der größte Fan der Konzerte in der Jegelscheune. Durch viele Jahre musikalischer Erfahrungen habe ich gelernt, auch Musik zu würdigen bzw. zu mögen, die ich vorher nicht kannte oder nicht mochte. Dies hatte eindeutig mit der so nahen Livepräsentation und der entsprechend hohen Qualität zu tun, wie Gerd sie garantieren konnte. Hatte ich einmal Vorbehalte wegen meines eigenen Geschmacks, so sagte Gerd “Du wirst schon sehen, wird dir gefallen“. Viele ehemalige Gäste haben ähnlich gedacht, nach dem Motto „was der Huke bringt, wird schon passen“ und sich auf neue musikalische Abenteuer eingelassen. 

Das Jahr 1995 

Das Jubiläumsjahr begann mit 14 Konzerten. Auf einen fränkischen Abend und einen Swing-Abend folgte das bald schon alljährlich stattfindende Konzert mit dem beliebten Blues- und Boogiepianisten Christian Willisohn am 26. Januar, Gerds Geburtstag. Seine Solo-Konzerte fanden immer großen Anklang und endeten oft erst sehr spät am Abend bzw. in der Nacht. Rhythm&Blues in der Art von Louis Prima spielten Roger & The Evolution. Mit „Big Man Clayton“ im März begann eine Reihe führender Blues- und Boogiepianisten Englands. Zum 10jährigen Jubiläum des Wendelsteiner Sommers fanden einige Veranstaltungen außerhalb der Jegelscheune statt. So z.B. eine Ausstellung des Wendelsteiner Malers Jonathan, ein fränkisch-bayerischer Abend in der Rangauhalle mit Klaus und Rolf Schamberger, Lizzy Aumeier und Michael Well. Blues mit der Peter Schneider Band in der TSV Halle und zum krönenden Abschluss die Blues-Queen aus New Orleans Marva Wright. Gerd engagierte eine seiner Favoritinnen zum zweiten Mal. Auf ihrer sehr kurzen Europatour trat sie als Hauptact beim Amsterdamer Bluesfestival auf, gastierte zwei Tage im Olympia in Paris, in Frankfurt in der Alten Oper und!… in Wendelstein. Im Herbst gab es zwei „außerhäusige“ Konzerte: The Cole Porter Story mit der Max Neissendorfer Band feat. Andrea Barker & Annette Neuffer. Sowie das Weihnachtskonzert in der St. Georgskirche mit den A Capella-Gospel-Singers The First Revolution“. Von Ende September bis Anfang Dezember gab es 13 Konzerte in der Jegelscheune, sogar an einem Mittwoch und einem Donnerstag. Stephan Holstein brachte zum Auftakt im Herbst den Münchner Pianisten Martin Schmitt mit und im Dezember den Bamberger Geiger Max Kienastl.  Ebenfalls zum erstem Mal zu Gast war eine Sängerin mit viel Soul und Jazzfeeling, Masha Bijlsma, der shooting Star aus den Niederlanden. Für Blues sorgten Ludwig Seuss & Friends sowie Shirley Williams mit ihrer Band. Als Stargastspiel annoncierte Gerd den renommierten Schlagzeuger Charlie Antolini. Herausragend aber war das Konzert mit dem Drummer Trevor Richards und seinem New Orleans Trio. Seine Mitmusiker, ebenfalls aus New Orleans, waren der wunderbare Klarinettist Orange Kelly und der 1912 geborene traumwandlerische Pianist Red Richards. Alle Drei spielten schon mit den besten und bekanntesten Jazzmusikern Amerikas. Ich erinnere mich an dieses Konzert als wäre es gestern gewesen. Wir erlebten ein Konzert höchster musikalische Qualität voller Eleganz. Nahezu konkurrenzlos in diesem Genre.       

Das Jahr 1996

Das Frühjahr brachte einige Highlights in die Jegelscheune. Das erste wurde von Charlie Byrd gesetzt, dem legendären Jazz Titan, der auf seiner Geburtstagstournee zum 70. in einer Reihe mit Düsseldorf, Hamburg und Amsterdam in Wendelstein auftrat, in einer ausgebauten Scheune, die keine Provinzadresse ist, sondern „was den Jazz betrifft, durchaus erste Wahl“ (NN, Mantel, 15.11996). „Wie einer der größten Jazzer der Welt sieht Charlie Byrd gar nicht aus, (…)  eher ein emeritierter Geschichtsprofessor als der geniale Creator des „Latin-Jazz“ mit klassischer Gitarre und Auslöser der „Bossa-Nova“ Welle“. (NZ,20.1.1996) 1962 löste Byrd diese mit der LP „Jazz-Samba“ gemeinsam mit Stan Getz aus.   

Ein weiteres Ausnahmekonzert war unbestritten der Auftritt des Akkordeonisten und Vorreiters der „New Musette“ Richard Galliano. „Unglaubliche Läufe auf den Knöpfen des Akkordeons finden statt, fast hat man den Eindruck, er hätte mit einer Eingebung die „Blue Note“ für das Akkordeon erfunden. (…) Er ist der europäische Meister des etwas anderen Akkordeonspiels. Ein wirklich hervorragendes Konzert.“ (NZ, 27.3.96) Gerd war zurecht stolz auf den Auftritt dieses Weltstars und das fantastische Konzert. So verließen auch die Zuschauer begeistert die selbstverständlich ausverkaufte Jegelscheune. Doch eine Besucherin äußerte sich Gerd gegenüber so: „Wissen’s was, Herr Huke, das war fei nichts Besonderes, ich spiel nämlich auch Schifferklavier“. Gerd wirkte leicht fassungslos und irritiert. Ob er eine passende Antwort fand, kann ich nicht mehr erinnern, ich denke eher nicht. Aber auch diese Aussagen wurde für uns zu einem bleibenden Bonmot, wann auch immer wir auf Akkordeon Musik stießen.

Hans Theessinks Band Blue Groove versah Gerd mit der Überschrift Blues-Extravaganza. Sehr zu recht, wie wir alle wissen. Fetzigen Rhythm & Blues hingegen präsentierten mit einer Mischung aus musikalischem Können und englischem Humor King Pleasure & The Biscuit Boys. Auch Humor aus Franken wurde im Frühjahr geboten: Die Tanten aus Bamberg kamen in die Jegelscheune, TBC-Das Totale Bamberger Cabaret gastierte in der Waldhalle.

Die Knaller im Herbst waren einerseits das Red Holloway Quintett und zum zweiten die wahre Living Legend of New York, die Harlem Blues & Jazz Band. Diese samt älteren Herren brauchten niemandem mehr etwas zu zeigen. Superstars, in Würde mit ihrer Musik als Lebenselexir gealtert, die stets ihr Bestes gaben und sich fürs Publikum verausgabten. Der 85 Jahre alte Bandleader und Drummer Johnny Blowers spielte schon, wie auch sein Bandkollege Al Casey, mit den Größen der amerikanischen Musikgeschichte.

Von Mitte Oktober bis Mitte Dezember folgten noch weitere 13 Veranstaltungen. Darunter Al Jones mit Band, Martin Schmitt, der Münchner Blues & Boogie Pianis, Herbert Christ mit seinen International New Orleans All Stars, Engelbert Wrobels Swing Society und erstmalig Ron Ringwood und die Gospel Messengers

Das Jahr 1997

Anfang 1997 traten u.a. die Ludwig Seuss Band und die Matchbox Bluesband auf. Zum Konzert des begnadeten Blues- und Boogiepianisten Axel Zwingenberger hier ein Presse-Zitat: „…einen Künstler solchen Formats für ein Konzert in der Jegelscheune zu engagieren. Denn Axel Zwingenberger ist es gewohnt, in wesentlich größeren Sälen zu spielen, zählt er doch zu den renommiertesten Boogie-Woogie-Spielern der Welt. (...) Bei seinem mehr als dreistündigem Konzert entpuppte sich Axel Zwingenberger als ein hämmernder Derwisch, ein funkensprühendes Energiebündel (…) …Wechselspiel zwischen schweren Bluesklängen gepaart mit der Leichtigkeit des Boogie-Woogie.“ Hip-Kurier, 18.1.1997 

Obwohl Christian Willisohn mindestens einmal pro Jahr in Wendelstein auftrat, waren seine Konzerte immer schnell ausverkauft. Kein Wunder, spielte er sich doch „die Seele aus dem Leib“. Seine pure Energie überträgt sich beinahe unmittelbar auf das Publikum. Nach über drei Stunden faszinierender Spielzeit sind auch die Zuhörer erschöpft.

Unter allen weiteren Konzerten sorgten zwei Konzerte für Furore: Grooveyard meets the Tenors Red Holloway & Houston Person und Jimmy Woode mit Jazz a Plenty. Beeindruckt war ich von Jimmy Woode nicht nur musikalisch schon bei diesem ersten Auftritt, sondern zutiefst menschlich gerührt von seiner Lebensgeschichte, die wir bei weiteren Besuchen erfahren durften. Er hat Rassismus in den USA hautnah erlebt, Erlebnisse, die wir aus Filmen oder Berichten kennen. Dies aber von einem alten Mann (*1929) im persönlichen Gespräch zu erfahren, hat nochmal eine ganz andere Tiefe. Dazu ein Beispiel aus der Zeit, in der Jimmy Woode in der Band von Duke Ellington spielte: Zum Konzert kam die gesamte Band im Tourbus in die Stadt, wurde zum Hintereingang des Auftrittsortes geleitet, und aus dem abgeschotteten Backstagebereich zu Konzertbeginn auf die Bühne gebracht um vor einem zu meist weißen Publikum zu spielen. Übernachten durften die Musiker nicht, sie wurden aus der Stadt hinausbegleitet. Wer in jüngster Zeit den Film „Green Book“ gesehen hat, hat eine leise Vorstellung davon.

Als eine Sensation kündigte Gerd den weltberühmten New Orleans Star Sammy Rimington mit seiner International Jazz Band im Herbst 1997an. Die Superstars des Blues aber waren die Holmes Brothers am 12. November. Diese drei Namen bleiben unvergessen: Wendell Holmes, Sherman Holmes und ihr „Adoptiv-Bruder“ Popsy Dixon.

Das Jahr 1998

Im Frühjahr 1998 gastierten zum ersten Mal in der Jegelscheune u.a. folgende Bands bzw. Duos: Colin Hodgkinson & Frank Dietz, The Jivin‘ Jewels, Joe Kienemann Trio sowie das Bluesduo Rannenberg mit dem hervorragenden Sänger und Harpspieler Keith Dunn. Der Herbst stand fast ganz im Zeichen des Blues. Erstmals waren da B.B. & The Blues Shacks, damals blutjunge Musiker, die sich sehr schnell zu einer der besten Bands des 50ger-Revival-Blues mauserten. Es waren und blieben äußerst nette Jungs, die immer wieder gern gekommen sind und die wir gern bei uns hatten. Die auch von Gerd vorausgesagte steile Karriere trat schnell ein. Schon seit vielen Jahren erfolgreich durch ganz Europa tourend traf die Blues Company bei uns erst 1998 ein, ab da aber oft gern gesehen. Ron Ringwood war der Sänger der „Real Gone Guys“ von “Lady Bass“ Lindy Huppertsberg. Der charismatische Entertainer war schon mit den Gospel  Messengers und seiner Cross Cut Blues Band aufgetreten. Er brachte später weitere Gruppierungen und hochkarätige Shows nach Wendelstein und wurde zum Freund. 

 „One oft he best voices in the business“ ist laut der Zeitschrift  Rolling Stone die unverwechselbare Stimme von Terry Evans. Bei seinem Namen fällt mir nur ein zu sagen „Wow, was für eine Stimme, welche Ausstrahlung… einmalig“!

Als krönenden Abschluss für dieses Jahr holte Gerd die wohl berühmteste Gospelgruppe der Welt in die St. Georgskirche: The Original Five Blind Boys of Mississippi. 1944 an einer Blindenschule in Mississippi gegründet nahmen sie 1946 ihre erste Platte auf und traten hauptsächlich in Kirchen schwarzer Gemeinden in den USA auf, aber auch im Apollo Theatre in Harlem und der Carnegie Hall.

Das Jahr 1999

Mit Herb Ellis begann auch dieses das Jahr wieder mit einem Superstar der Jazzszene. Von 1953 bis 1959 gehörte er zum Trio um Oscar Peterson, er begleitete Ella Fitzgerald, spielte mit Louis Armstrong, Dizzy Gillespie, Benny Carter u.v.a. In den 60ern begann er die Duo-Arbeit mit Charlie Byrd. 

Gerd hatte ja auch ein „Händchen“ für guten Swing und Nachwuchsbands mit großem Potential. Dazu gehörten eindeutig die „Echoes of Swing“, die sich erst 1997 gegründet hatten und bis heute zusammengeblieben sind. Dieser Zusammenhalt ist wohl neben der hervorragenden Musik ein wichtiger Bestandteil ihrer Karriere. Es ist im Nachhinein beeindruckend, diese damals sehr jungen Musiker älter werdend und musikalisch gereifter erlebt zu haben. Womöglich haben die steten Auftrittsmöglichkeiten, die Gerd ihnen in der Jegelscheune geboten hat, ihre Karriere mit unterstützt. Auch mit dieser Band waren wir über die vielen Jahre freundschaftlich verbunden. Als die Echoes im Frühjahr 2017 in Erlangen auftraten, war ich nicht in der Verfassung ihr Konzert zu besuchen. So trafen wir uns vorher in Nürnberg. Sie wollten mir auf liebenswerte Weise ihr Mitgefühl bekunden. Solche Beziehungen im Musikgeschäft sind kostbar. Wir hatten einige davon und diese Erinnerungen bleiben. 

Nicht nur das Frühjahr ging wie immer mit viel Blues & Boogie weiter, der Herbst begann mit dem „Hohepriester der blauen Töne“, Long John Baldry. Long John Baldry traf 1960 auf Alexis Korner. Sie gründeten die erste britische „Blues Incorporated“. Mit dabei die Musiker Charlie Watts, Mick Jagger, Jack Bruce, Paul Jones. 1962 entdeckte Long John den jungen Straßenmusiker Rod Stewart in einer U-Bahnstation und nahm ihn in seine Band Hoochie Coochie Men auf. Elton John spielte mit ihm in einer anderen Band und gab sich seinen Künstler-Nachnamen als Referenz an Long John Baldry. 1970 zog er sich für 20 Jahre zurück, 1990 dann das Comeback.

Insgesamt 18 Veranstaltungen gab es von Ende September bis Mitte Dezember. Blues und Jazz wechselten sich ab. Mit dabei und immer gern gesehen und gehört Peter Schneider & The Stimulators mit ihrem Voodoo Swing. Immer willkommen auch die Blues Company und Blueslady Sidney Ellis mit ihrer Yes Mama Band. Neu dabei Paul Lamb & The King Snakes, mit seinem Westcoast Jump Blues unterwegs auf dem Weg zur Weltspitze mit Halt in der kleinen Jegelscheune, „Wir spielen nur bei den 1. Adressen“, so Paul Lamb. Da war die Band bei uns genau richtig. Friend‘n Fellow traten erstmalig in der Jegelscheune auf. Die beiden werden allen, die sie damals oder später beim Festival wiedergesehen haben, als grandioses Duo in Erinnerung sein. Keb Mo über Constanze Friend:“ the voic e of an angel“. Untermalt, hervorgehoben und einfühlsam begleitet vom virtuosen Gitarristen Thomas Fellow. Erlebnisse mit Gänsehaut.

Eher ein Experiment war wohl der Auftritt des jungen „Überflieger(s) im Musikgeschäft“ Cornelius Claudio Kreusch mit seinem Bandprojekt BlackMudSound im November im Jugendtreff. Authentischen Swing a la Benny Goodman in zeitgemäßer Form präsentierte Engelbert Wrobels Swing Society. Auch diese Band war immer wieder zu Gast.

Kurzer Einschub zu einer Fremdveranstaltung: An Silvester zur Jahrtausend Wende hatte die Stadt Nürnberg ein großes Fest innen und außen geplant. Die Ambrosia Brass Band wurde gebucht und wir zogen mit ihnen um Mitternacht durch die Gassen der Altstadt. Danach war mit dem kleinen Ableger, der Jambalaya Six, im Rathaussaal Tanz angesagt.

Das Jahr 2000

Da hatten Williams Wetsox schon ihr 20jähriges Jubiläum und feierten im Februar 2000 in der Jegelscheune ihren boarisch Blues. Dazu Gerd: „Wer ahnt schon, dass die Wasser der Amper fast ebenso träge fließen wie beim legendären Bruderstrom Mississippi, dass die fiebrigen Sümpfe Louisianas auch im bayerischen Süden beheimatet sind“. Kreolischer Zydeco mit deutschen Texten im bayerischen zungenschweren Dialekt, der wie das Patois des Südens der USA daherkommt. Echter Blues aus Huglfing. Bis Ende März fanden vier weitere Bluesabende statt, u.a. eine Jegelscheunen-Blues-Night mit Matt Taylor und seiner Band sowie Red Holloway und seine R&B Group.

Direkt aus der New York South Bronx kam Michael Hill’s Blues Mob, der Senkrechtstarter und Meister des elektrischen Blues. Und direkt aus New Orleans kam mit ihrer umjubelten Show das Duo Carol Fran & Clarence Hollimon, Carol geb. 1933 in Lafayette, Louisiana; Clemens, geb. 1937 in Houston, Texas. (Foto links)

Mit dem Miles-Davis-Schlagzeuger Jimmy Cobb bot Gerd mal wieder ein Starkonzert der Extraklasse.

Zu seinem Quartett gehörten der Pianist Dado Moroni, den Gerd schon seit Jahren nach Wendelstein zu holen versuchte, Hendrik Meurkens und Ray Drummond am Bass. Es war eine hochkarätige Band. So hochkarätig, dass der Bayerische Rundfunk anwesend war und das Konzert für die Sendung „Jazz auf Reisen“ aufzeichnete. Es war ein umjubeltes Konzert. Auch Peter Machac vom Bayerischen Rundfunk war am Ende begeistert von den hochkarätigen Künstlern und beendete die Aufnahme mit folgenden Worten: „Ich war zum ersten Mal bei Ihnen und darf Ihnen versprechen , das wir vom Rundfunk bestimmt nicht zum letzten Mal hier sind. Wenn es keine Besessenen und Verrückten wie Gerd Huke gäbe, die es immer wieder schaffen, internationale Jazzgrößen auf die Bühne zu holen, dann wäre unsere Kulturlandschaft um einiges ärmer.“ Welch wahren Worte, die ich mit Stolz zitiere.

Im Herbst 2000 trat Masha Bijlsma, diese charismatische junge Sängerin, zum zweiten Mal in Wendelstein auf, gemeinsam mit Startrompeter Benny Bailey

Die Bluesabende von September bis Dezember waren ganz klar wieder ausverkaufte Konzerte mit Spitzen Solisten und Bands. Die Blues Company spielte, wie Toscho sagte, in ihrem gefühlten Wohnzimmer, Louisiana Red und Tom Shaka wollten gar nicht mehr von der Bühne runter, sie spielten über vier Stunden bis Reds Frau dem Konzertabend ein Ende setzte. Beim dritten, gemeinsamen, Teil des Konzerts reagierte das Publikum wie elektrisiert. Das waren Abende, die „in die Geschichte eingingen“, die wir mit „nach Hause trugen“ und durch die Gerd motiviert war, stets das Beste zu präsentieren. Kurz darauf zelebrierte Christian Willisohn zum zehnten Mal wieder eines seiner furiosen Drei-Stunden-Konzerte. Sein Pianospiel steht ganz in die Tradition von Prof. Longhair und Dr. John, DIE Vertreter der New Orleans Musik. Dr. John, ganz obenstehend auf der Liste von Gerds Lieblingsmusikern, nahm mindestens einen Meter in seinen CD Regalen ein. Willisohn wusste das und spielte gern auch einen Wunschtitel für den Kulturreferenten.  Albie Donnelly’s Big 3 beendeten das Herbstprogramm am 20.12. mit ihrer „Chrismas Mania Tour“.

Albie Donnelly und John Hammond

Eindeutiger Höhepunkt aber war wohl in diesem Herbst die lange Bluesnacht mit den drei Solo-Gitarristen Marty Hall, Morgan Davis und …  JOHN HAMMOND. John Hammond…lieferte ein begeisterndes, schweißtreibendes Konzert ab.“, NZ,24.10.2000

»BACKSTAGE«

Hinter den Kulissen

Beim Durchschauen der Unterlagen und schreiben dieses Textes wird mir klar, welches Unternehmen Gerd da eigentlich angefangen und 28 Jahre durchgezogen hat. Und eben nicht einfach durchgezogen, sondern mit fränkischem Herzblut geplant und veranstaltet. Es war ja kein Job wie „Würstl verkaufen“ oder in der Amtsstube Akten zu studieren. Entsprechend anders sah auch Gerds Schreibtisch im Rathaus aus. Nach einem Besuch des Bürgermeisters in Gerds Büro blieb es bei diesem einen Mal. Das „kreative Durcheinander“ war wohl schwer zu ertragen. Die tatsächlichen Abläufe an Konzerttagen aber waren klar strukturiert, an Gerds Vorgaben musste sich jede/r halten. Auch die eintreffenden Musiker und Tourbegleiter. Zwischen Promoter und Musiker stehen bekanntermaßen meistens Agenturen. Es ist ein Geschäft, ganz klar, aber es haben sich auch gute Beziehungen und Freundschaften ergeben. Andere blieben geschäftsmäßig im Hintergrund oder fanden nicht Gerds Antenne. Andy Lösche begleitete seine Musiker oft auf deren Touren und speziell nach Wendelstein, so dass er die Gepflogenheiten gut kannte: „Gerd legte sehr großen Wert darauf, dass wir pünktlich um 17.00 an der Jegelscheune eintrafen. Waren wir aber da, wurden wir herzlich mit Kaffee begrüßt und rauchten im Hof in aller Ruhe eine Zigarette.“ 

Ich denke, Musiker und Begleiter kamen auch deshalb gern zu uns, weil alle stets gut bewirtet und umsorgt wurden. Dennoch gab es auch Musiker/innen, die einigermaßen schwierig waren. Damit musste profimäßig umgegangen werden. Respekt für die Leistungen auf der Bühne und die Anstrengungen während einer Tour standen im Vordergrund. Maßstab und Ziel aber war, dem Publikum eine gute Show zu bieten. Gäste fragten oft „Wie macht er das bloß, woher hat er diese Bands?“ Die Tätigkeit als Veranstalter erfordert ein großes Engagement über die Bürozeit hinaus. Unsere Konzert- und Festivalbesuche in anderen Orten waren zwar privater Natur, dennoch war Gerds Profiblick immer dabei. Er sagte oft „Ich kann eigentlich nicht mehr jungfräulich Musik hören“. Wöchentliche CD-Käufe, lesen von Fachzeitschriften und Internetseiten, all das gehörte dazu. Privat oder Job? Fließend. Die vielen Stunden, die Gerd bzw. auch wir zu zweit daheim Musik gehört und Musik-DVDs geschaut haben, waren unsere private Freizeitgestaltung, aber im Nachhinein betrachtet, irgendwie doch nicht so ganz. 

2001 bis 2012 - Beständigkeit

Die Jahre des Wendelsteiner Sommer von 2001 bis 2012 werde ich etwas kürzer fassen (wir haben ja noch 12 Jahre Festival vor uns), um Wiederholungen und Langeweile zu vermeiden. Es wird nicht ganz einfach sein, da ich beim Lesen der Flyer und Zeitungsartikel mich zeitversetzt fühle und geradezu in einen Erinnerungsrausch gerate. Wegen der besseren Übersicht werde ich bei der Jahreseinteilung bleiben, auch wenn die Saison immer von September bis März dauerte.

2001/ 2002

Im Oktober 2001 ganz groß an der Stratocaster: Ana Popovic, schon vor 20 Jahren eine aufregende Bluesgitarristin und Sängerin; mit ererbtem Talent vom Vater und Großvater und mit Vorbildern wie Albert Collins, Albert King und Elmore James. Ein gefeiertes Gastspiel gab Philip Catherine, der seit den 60ern zur ersten Liga der europäischen Jazzszene gehört. 

„Zum ersten Mal in der Jegelscheune und Wochen vorher schon ausverkauft: Ein Ruf wie ein Donnerhall geht der Hamburg Blues Band voraus.“ Die Band erfüllte die Erwartungen, das Publikum erlebte eine ungezähmte Spielfreude dieser Vollblutmusiker. Mit dabei Dick Heckstall-Smith, in den 70er Jahren Mitglied bei Collosseum. Anfang der 70er, fast noch ein Teeny, habe ich diese Band bei einem der damals beliebten Open-Airs live erlebt. Unglaublich, heute vor fast 50 Jahren.

Ein besonderes Zuckerl war der Auftritt von Gerd Köster. In den 80er Jahren haben Gerd und ich die Schröder Road Show gehört. Deshalb freute sich Gerd ganz besonders, dass er den Frontman dieser Band verpflichten konnte, auch wenn er vielleicht nur Insidern bekannt sein sollte. So gingen die Begrüßungsworte von Köster auch in diese Richtung: “Wie kommt man als Franke dazu, in ein Konzert zu gehen, in dem man kein Wort versteht? Hat euch der große Meister (gemeint ist der Veranstalter Gerd Huke) dazu gezwungen?“ Die Konzertbesucher umjubelten diesen begnadeten Künstler und Geschichtenerzähler.  Mit seiner Band The Piano has been drinking hat Köster Songs von Tom Waits auf eigene Art hervorragned „eingekölscht“. Auch auf ihre ganz eigene Art hat Claudia Bettinaglio die Musik der außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit Tom Waits erforscht. Bettinaglio war damals eine Entdeckung von Gerd. Im Programmheft steht: „Eine persönliche Faszination für die Vielschichtigkeit des Wait’schen Gesamtwerks wurde so zu einer intensiven und praktischen musikalischen Auseinandersetzung mit einer Anzahl einzigartiger Songs. Diese Entdeckungsreise umfasst Material aus fast 30 Jahren. Alle Schaffensperioden von Tom Waits sind vertreten.“ 

Das Jahr 2002 leitete ein swingender Jazzabend mit dem Max Greger jun. Quartett ein. Die JAZZZEITUNG schrieb: “Was das Quartett bot, war ein fulminanter Cocktail erlesener Swing-und Jazzmusik. (…) Seine Fingerfertigkeit, seine atemberaubenden Improvisationen, sein Vorpreschen und sich Zurücknehmen sowie feinfühliges Zusammenspiel mit den drei anderen Mitgliedern der band machten diese Konzert zu einem Edelstein…“  

American Folksongs mit Easy-Rider-Feeling, so überschrieb Gerd das erste Konzert des Singer/Songwriters Terry Lee Hale. Es folgte am 26. Januar (wieder zufällig Gerds Geburtstag) der wunderbare und einmalige Hans Theessink mit Blue Groove. The Route66 All Stars, eine siebenköpfige Band mit vier versierten sich schätzenden Gitarristen, die sich auf der Bühne abwechselten, legten einen spektakulären Auftritt hin. Am Schluss standen alle auf der kleinen Bühne und zelebrierten mit großem Spaß und Können „Hey Joe“.  Im Februar eines der schon eingangs erwähnten Spitzenkonzerte des Großmeisters Duke Robillard und Band. Eins von fünf Konzerten in Deutschland. In der wochentäglichen Kulturzeit des Senders 3sat, die wir seit Anbeginn schauten, wurde auf die Tournee mit den Auftrittsorten hingewiesen, und Wendelstein war dabei. Hier zur Erinnerung ein kurzer Abriss seiner Karriere: 1967 Gründung der legendären Roomful of Blues, Einstieg bei Fabulous Thunderbirds . Mitte der achtziger Jahre Beginn einer Solokarriere, Tourneen mit seiner eigenen Band, Veröffentlichung zahlreicher Alben und Gastauftritte bei Studioproduktionen von diversen Kollegen, u.a. auf „Time of my mind“ von Bob Dylan.

CandyeKane auch mit Gerd Huke

Mit dem Herbstprogramm 2002 präsentierte Gerd einige Blues-Superacts. Vor allem die zwei Bluesfrauen, die im September auf der Bühne standen, sind eine längere Besprechung wert. Candye Kane, ehemalige Porno-Queen, erlangte mit ihrem Album „Toughest girl alive“ weltweiten Ruhm und Anerkennung in der Bluesszene. Auftritte auch bei allen wichtigsten europäischen Festivals folgten. Mit ihrer CD „Whole lotta love“, kam sie ein weiteres Mal nach Wendelstein, deren Titel sie auch Gerd widmete. Candye war eine begnadete Bluessängerin, eine sehr sympathisch und humorvolle Frau und eine äußerst beeindruckende Persönlichkeit. Leider ist auch sie schon vor einigen Jahren zu jung verstorben.

Die zweite Sängerin war Mary Coughlan, deren CD „Red Blues“ bei mir während des Schreibens läuft. Darauf eine wunderbare Interpretation von I’d rather go blind“. Ihr Lebenslauf scheint aus einem anderen Leben zu stammen, dem Blues geradezu verpflichtet, sollte dieses Klischee der ewigen Verlierer zutreffen. Mary Coughlan hat alles erlebt und hat erstaunlicher Weise überlebt. Eine starke Frau, die mit Anfang Mitte dreißig ins Leben zurückfindet und mit Anfang vierzig ihr Comeback als Sängerin feiert.  

Der Herbst wird wieder von BluesMännern bestimmt. Roy Herrington und Mick Pini, die beide schon bei dem Projekt „Route 66“ dabei war, gastieren jeweils mit ihren eigenen Bands. Eine absolute Neuentdeckung war der BluesShouter Tad Robinson, von Michael Arlt von den BBs empfohlen. Dank des Zutrauens zu Gerds Ankündigungen war die Jegelscheune rappelvoll und alle, die dabei warn, haben es nicht bereut, Gerds Empfehlung mal wieder blind gefolgt zu sein. Begleitet wurde Tad von seiner italienischen Band, mit dabei der Tastenzauberer Alberto Marsico an der Hammond-Orgel. 

2003/ 2004

Steve Gibbons

Von Steffen Radlmaier erschienen im Frühjahr 2003 zwei begeisterte Kritiken. „Die famose Jazz-Entdeckung Lisa Bassenge in Wendelstein. (…) Jetzt bewies der Wendelsteiner Kulturreferent Gerd Huke wieder einmal seine Spürnase und präsentierte das brillante  „Lisa Bassenge Trio“ in der Jegelscheune.“  NN, 20. Januar 2003, radl. Aus Pop wird Jazz, aus Jazz wird Pop, jedes Lied ist bekannt, die Veredelung durch das Trio von zauberhafter Schönheit. Ganz anders die Legende Steve Gibbons, ein herausragender Vertreter der britischen Bluesrockgeschichte. „Nach längerer Pause ist der Altmeister wieder auf Tour – und in Bestform. In der ausverkauften Jegelscheune in Wendelstein erlebte ein begeistertes Publikum vier musikalische Sternstunden. Eine lange Bluesrocknacht mit Seltenheitswert. Für eine gelungene Überraschung sorgte schon das kanadische Trio Hot Toddy im Vorprogramm. (…) Eine ideale Einstimmung auf die „Steve Gibbons Band“ (…) NN, 26.März 2003, radl  

Mississippi Mudsharks

Und noch eine weitere echte Legende trat auf, einer der letzten Größen des Jazz aus der Bebop-Ära: der fabelhafte Trompeter Benny Bailey. Ebenfalls ein Hochkaräter: Birelli Lagrene. Dieser Ausnahmegitarrist ist normalerweise für Veranstaltungen mit 100 Sitzplätzen nicht bezahlbar. Die Verbindung war dieses Mal der Pianist Jermaine Landsberger, ein enger Freund von Birelli. So ist die Frage „wie er’s nur immer macht solche Musiker zu holen“ für dieses Mal beantwortet. Nothin‘ but the blues… das erfüllten die zwei Bands im Herbst voll und ganz: Scottie Blinn mit seinen Mississippi Mud Sharks und die Jim Kahr Band. Erstaunt war ich schon über das erste Engagement der schottischen Folkband Tannahill Weavers. Die Band scheint aber ihre Fans gehabt zu haben, um einen zweiten Auftritt zu rechtfertigen. Ganz ehrlich: Lässt man sich drauf ein, so kann es ein spannendes und lehrreiches Erlebnis sein, eine komplett andere Musik zu hören. Mich haben  Live-performance und Qualität überzeugt, auch wenn ich daheim sicherlich keine CD auflegen würde.

Die Künstler des Jahres 2004 werde ich in kurzen griffigen Zitaten aus Gerds Überschriftenvorstellen. Zwei Lesungen standen an: „Otto Krause hat den Blues“ ein Märchen von Jaques Berndorf mit Musik von Christian Willisohn. Einen ganz SPEZI-ellen Abend gab es mit Klaus Schamberger.

 „Jump with an italian“ wurde wörtlich genommen von Egidio „Juke“ Ingala, die Blues-Sensation aus Italien. Und ebenfalls aus Italien „die primadonna del jazz & blues“ Laura Fedele. Direkt aus New Orleans kam das fabelhafte Duo Kim Prevost und Bill Solley, „Kim Prevost is New Orleans‘ answer to Cassandra Wilson“,OffBeat Magazine. Los Torpedos: „Wild & crazy“ war diese außergewöhnliche Band in jedem Fall und machte ihrem Namen alle Ehre. Blues and roots from Austria - genial und in höchstem Maße kultverdächtig“. Aberwitzig -  allein schon die Instrumente! Drei vocals, national- steel-, electric guitar, mandolin, harp, drums, kazoo, tuba, fiddle, melodica. Herauskamen z.B. ein fantastisches „In A Gadda Da Vida“ oder „Sylvias Mother Said“. Deutschlands erfolgreichste Bluesband – ohne Stöpsel, Blues Company unplugged, war schon vor Veröffentlichung ausverkauft. „Master of Acoustic“ Blues Guy Davis spielt akustischen Blues in Vollendung. 

Und noch einmal „Great Blues in the little club! – Starkonzert mit Duke Robillard“. Peter Gruner in der NN vom 9. März 2004: „Der große Mann für kleine Clubs. Wenn man es nicht wüsste, würde man wohl nie darauf kommen, dass da vorne auf der Bühne der ausverkauften Jegelscheune ein Stück Musikgeschichte sitzt.“ Und der letzte Gast in diesem Frühjahr war Big Bill Morganfield, der Sohn von Muddy Waters. „Erstmals in der Region – natürlich war die Jegelscheune wegen ihres guten Rufs in der Szene seine erste Wahl…“

Unter den vielen „alten Bekannten“ im Herbst 2004 war ganz klar herausragend Bugs Henderson, der ein Jahr vorher beim Festival abgeräumt hat. Zum ersten Mal in Wendelstein auf der Bühne stand der Sänger und Entertainer Albert C. Humphrey, der liebevoll genannte „Blues Bertl“ aus München. Er gastierte im Trio mit Hubert Hofherr, harp, und John Paiva, gui. Im November konnten wir noch zwei Neuentdeckungen kurz nacheinander erleben. Bill Perry tourte mit seiner Band zu mehreren Festivals durch Frankreich und konnte recht kurzfristig einen Abend in der Jegelscheune als einzigen Auftritt in Deutschland einschieben, „weil dort schon einige meiner Freunde aufgetreten sind und mir von der tollen Atmosphäre und der wunderbaren Akustik in diesem kleinen Club vorgeschwärmt haben.“  Mit Blues aufgewachsen wurde er schon als Jugendlicher professioneller Musiker. Ein weiteres Juwel kam mit „Modern Big-City-Blues straight from Chicago“ in die Jegelscheune. Melvin Taylor gehörte in Chicago schon zu den angesagten Live-Acts.

Zwei Weihnachtskonzerte beschließen das Jahr. „Swinging Christmas“ mit Max Greger jun. und „Christmas in New Orleans“ mit der Top Dog Brass Band in kleiner Bühnenformation.

»BACKSTAGE«

Vor der Show

Die Türen der Jegelscheune wurden um Punkt 19.00 geöffnet. Bis dahin standen schon unsere Stammgäste im Vorflur, manchmal schon in einer Schlange die Treppe runter. Es ging um die Lieblings- bzw. Stammplätze, da Gerd nur für Presse und, falls nicht ausverkauft, zwei Stühle für MitarbeiterInnen freihielt.  Ich weiß heute noch, wo z.B. Albert F. immer saß, oder Jürgen P., oder Herr T. und Frau D. aus Erlangen und einige andere Gäste. Bis 19.00 Uhr mussten die Musiker verschwunden, Bühne und Saal ordentlich hinterlassen, die Stühle zurechtgerückt und gelüftet sein. Musik vom „Band“ lief um auf nächste Konzerte aufmerksam zu machen.  Einlass und Ablauf liefen routiniert und gut eingespielt ab. Am Eingang saßen Frau Magerl oder Christian Mentschel an der Kasse. 

Susi Hörauf, Jürgen Schiller

Daneben stand jahrelang Susi Hörauf, um Karten einzureißen.  Hinter der Garderobe stand ich um Mäntel aufzuhängen und CDs zu verkaufen und im Notfall sonstiges zu tun. Eingequetscht zwischen zwei Türen und Treppenaufgang verkaufte Jürgen Schiller viele Jahre lang Getränke und die beliebten Canape´s, die von Gerd genannten „Schnittchen mit Schwarzachlachs“. Jürgen wusste von vielen Gästen, was sie tranken oder aßen. Wir trauerten um Jürgens frühen Tod. In den letzten Jahren wurde der Verkauf vom Buchswirt selber oder seinen MitarbeiterInnen übernommen.

Links neben diesem Tisch auf der dritten Treppenstufe, leicht verdeckt durch das Geländer, saß Gerd, wenn er nicht grad zum Rauchen im Hof stand. Alle, die den Text jetzt lesen, werden dieses Bild vor Augen haben. (Sollte jemand ein Foto von ihm auf der Treppe haben, würde ich es gern hier abdrucken). Gerd wurde um Empfehlungen gebeten und hat Empfehlungen oder Wünsche bekommen. Er wurde zu Auftritten und oft schon im November zur Festivalplanung befragt. 

Ich glaube nicht zu übertreiben, dass die Atmosphäre recht familiär war. Gäste lernten sich untereinander kennen, verabredeten sich für ein nächstes Konzert und wussten zu schätzen (vor allem Frauen), dass sie allein nicht verloren herumstanden. An der CD Theke wurde gefachsimpelt, an der Verkaufstheke Schlange gestanden. Ich hatte bestimmte Kleiderhaken für einzelne Gäste im Blick, links am Rand hingen die Mäntel/Jacken der Raucher, damit sie in der Pause schnell griffbereit waren. Früher wurde noch im Vorraum geraucht, später kaum vorstellbar auf diesen wenigen Quadratmetern im Qualm zu stehen. Die Künstler kamen um kurz vor 20.00 vom Backstagebereich runter bzw. vom Essen zurück, Gerd ging vor zur Bühne, gab kurz Ausblick auf Folgekonzerte und sagte die Musiker und/oder Musikerinnen an. Und los ging’s.

2005/ 2006

Vier starke Frauen bestimmen das Frühjahr 2005: Die Sängerin Eleni Mandel, von Blues bis Rock; Angela Brown mit ihrer großartigen Bluesstimme, Andrea Mayer mit einem wundervollen tribute to Ella Fitzgerald und  Lisa Bassenge nach längerer Pause mit Baby Lilia und neuer CD im Gepäck. „Im Ansatz außergewöhnlich wie gehabt, in der Ausführung so entspannt und effektiv wie nie zuvor…“. Ganz großes Bluesfeeling brachten uns im Herbst Tino Gonzales, einer meiner Lieblingsmusiker, und der unnachahmliche Michael de Jong mit den aus tiefster Seele besungenen Schattenseiten seines Lebens. 

Das Programm des Wendelsteiner Sommers war schon immer bunt, der Flyer wird es nun im Jahr 2006 auch. Grüner Hintergrund mit gelber Sonne ist ab jetzt das Erkennungszeichen. Neu ist nun auch die homepage, auf der neue Konzerte oder Änderungen aktuell vermerkt werden. „Help New Orleans“ war eine Spendenaktion zu Gunsten durch Katrina geschädigter Musiker/innen, die Lillian Boutte´ ins Leben gerufen hatte. Jeder Cent ging direkt in die Hände Hilfesuchender. Gerd hat durch eine Benefitz-Veranstaltung, bei der Nürnberger Musiker ohne Gage gespielt haben, knapp 5000€ eingenommen und gespendet.

Wiedermal eine Entdeckung für die Region: Ray Bonneville, kanadischer Blues-/Roots-Veteran, nur in Begleitung eines Schlagzeugers, begeisterte mit Gitarre, Percussion und Mundharmonika. Eine einmalige Besetzung präsentierte „Sax“ Gordon Beadle, der rockige Horn-Man mit seinen Musikerfreunden dem West-Coast-Gitarristen Alex Schultz, dem Rising Star an der Hammond-Orgel Raphael Wressnig und Lukas Knöpfler, dr. Was leider selten der Fall war, scheint an diesem Abend so gewesen zu sein: “Auffallend viele Musiker aus ganz Franken waren in die Jegelscheune gekommen, um den Jazzgitarristen Alex Schultz zu hören“, NN, 17.3.2006. Noch mehr Bluesrock gab es mit Bugs Henderson und beendet wurde das Frühjahr von Chris Farlowe & Norman Beaker Band. 

Javier Vargas

Scottie Blinn brachte nach 6 Jahren seine Mississippi Mudsharks als Trio Besetzung mit. Erstmalig bei uns die fabelhafte Vargas Bluesband, die ab sofort aus Wendelstein nicht mehr wegzudenken war. Mit „300 Pfund Tex-Mex Dynamit“ auf der Bühne und unbändiger Spielfreude bringt Memo Gonzales mit seinem imposanten  Bassisten Erkan Özdemir und dem fabelhaften Gitarristen Kai Strauss den kleinen Saal zum Wanken.  „New Orleans meets Wendelstein“ hieß es im November mit dem Stargast Leroy Jones. „… gehört neben Wynton Marsalis, Nicholas Payton (s.Festival) und Terence Blanchard (s. Festival) zu den führenden Trompetern der Deltastadt und den USA.“

2007/ 2008

Erstauftritte in diesem Frühjahr 2007 hatten mit italienischer Canzone die hinreißende Band SULUTUMANA sowie die kanadische Sängerin Rita Chiarelli mit „einer Stimme, so fantastisch, dass sogar die Engel weinen“. Im Herbst war es der aus Mali stammende Mamadou Diabate, der Musik mit der Kora, einer Art afrikanische Harfe, mitbrachte. Ende Oktober bis Ende November hatten wir wieder das Vergnügen mit guten „Alten Bekannten“: Egidio Juke Ingala, The Holmes Brothers, die Blues Company, Michael de Jong und der Singer/Songwriter Paul Millns mit Butch Coulter

Als „Ausweichquartier“ gab es nun die Eventhalle „Im Löhleins“, in der Konzerte während des Festivals stattfanden, aber auch Veranstaltungen, die einen größere, aber dennoch besonderen Rahmen verlangten. Am letzten Märzwochenende traten dort die Dirty Dozen Brass Band aus New Orleans auf und zu Ehren von Jimi Hendrix, der am Tag des Auftritts 65 Jahre alt geworden wäre, die Band of Gypsies Reloaded mit dem Gitarristen Jean-Paul Borelly, der Schlagzeugerin Cindy Blackman und dem Bassisten Melvin Gibbs. Bei diesen Namen war klar, dass es sich hier nicht um eine Hendrix Revival Band handelte, sondern um ein großartiges Trio Projekt, bei dem Funk, Heavy Rock und Jazzfusion auf kongeniale Art zusammentreffen. Im Herbst folgte das sensationelle Konzert mit den Yardbirds, drei Generationen (knapp bemessen) auf der Bühne, drei Generationen davor. Dieses Konzert war ein großer Spaß zum Mitsingen („Crying out for love“) und abtanzen.

Im Frühjahr 2008 gab es anscheinend – man glaubt es kaum – nur 6 Konzerte, die ich mit den Attributen, die Gerd zur Ankündigung benutzt hat, beschreiben werde. Bei diesem Namen schnalzen Kenner mit der Zunge: Mick Pini. A real braveheart: Graeme Lockhart, ein besonderes Erlebnis, ein traumhafter Abend. An acoustic adventure with Steve Wynn, nach dem Motto es muss nicht immer Blues sein, einfach gute Musik ist uns genauso willkommen. The wonderful music of Astor Piazolla mit Tangologica. Und… Die Sensation im kleinen Club: The Blues Band, selbstverständlich mit allen fünf Gründungsmusikern. In den Herbstwochen gab es zwei Veranstaltungen, die vollkommen aus der Reihe tanzten: ein bairisches Gesangskabarett sowie ein Wiener Liederkabarett. An beide habe ich keinerlei Erinnerungen.

Devon Allman und Hukes

Umso mehr hinterließen die zehn Konzerte, die dem üblichen Musikangebot entsprachen, einen nachhaltigen Eindruck. Devon Allman, der Sohn von Gregg Allman trat mit seiner Honeytribe-Band im Saal des Jugendtreffs auf. Es war der Beginn seiner europäischen Karriere und die erste Deutschlandtour. Ich bin bis heute ein großer Fan von Devon Allman, seine Stimme hat sich im Lauf der Jahre immer mehr entwickelt und fand sicherlich ihren Höhepunkt als Mitglied der Southern Royal Brotherhood, die wir auf ihrer ersten Tour in Winterbach bei Stuttgart angeschaut haben. Mit seinen späteren eigenen Projekten konnten wir Devon dann im Hirsch in Nürnberg erleben. 

Eric Bibb Widmung

Nach dem „American Music Club“ traten im Oktober noch Christian Willisohn & Lillian Boutte´ auf. Der immer spielfreudige Chris Jagger und der furiose Boogie- und Rock’n Roll-Pianisten Ben Waters brachten die Jegelscheune zum Beben. UND - Ganz groß! Eric Bibb im kleinen Club! Hier unterschrieb er für Gerd mit der Widmung „brother Gerd“, woraufhin Erics Frau mit freudigem Erstaunen bemerkte, dass es eine große Ehre wäre, von Eric als weißer Mann so benannt zu werden. 

Louisiana Blues in Vollendung präsentierte Larry Garner & Band. Über Dana Fuchs sagte George Potsos, Bassist der Honeytribe und der Dicky Betts Band, als er in Wendelstein das Plakat mit der Ankündigung von ihr sah folgendes: „She really is coming into your little club? That girl is magic, in our concerts she always stole Dicky the show – and Dicky was happy  `cause she’s so great…“ Ihre Live-CD aus 2014 „Songs from the Road“ höre ich gerade: Diese Stimme-diese Power-unglaublich-!                           Es folgte ein Kontrastprogramm unterschiedlicher Genres und endete schließlich mit Louisiana Red „one oft he last giants in blues, a real living legend. Dieses Jahr konnten Veranstalter und Zuschauer  sicherlich mit großer Zufriedenheit und Begeisterung  abschließen.

2009/ 2010

Merkwürdigerweise habe ich ab dem Jahr 2008 keine Pressenotizen zum Wendelsteiner Sommer/Jegelscheune. Sind wahrscheinlich zwischen Umzügen verloren gegangen.

In der ersten Hälfte des Jahres 2009 waren wieder ganz unterschiedliche Veranstaltungen geboten. 

Der Blues wurde präsentiert von Sherman Robertson, Dr. Will & The Wizards mit seinem Voodoo Blues und den beiden Superstars John Hammond, mal wieder solo, sowie Bryan Lee & The Blues Power Band am 27. März. Die Bluesgangsters fungierten als „Vorgruppe“, sie waren mehr als das; großartige Musiker.

Neben guten alten Bekannten ragte Gerds Neuentdeckung aus dem Programm heraus: Boo Boo Davis, auf dem Weg vom Montreux Festival zu den Leverkusener Jazztagen mit Stopp in Wendelstein. Boo BOO Davis erzählt in seinen Songs von seinen Erfahrungen aus der Kindheit im Mississippi-Delta. Der Besuch einer Schule war nicht möglich, er lernte nie schreiben und lesen. Hörte aber den Gesang seiner Eltern und Nachbarn auf den Feldern und entwickelte seine laute bellende Stimme. Er sagt:“ Der Blues hilft mir, das tägliche Leben zu überleben.“ Wendelstein liegt zwar nicht am Mississippi, wie oft in der Presse kolportiert wurde, sondern an der Schwarzach, aber Blues auf Boarisch ist nicht so weit weg vom Louisiana Blues. Das wollte Gerd wohl zeigen als er ein ganzes Wochenende mit „Blues aus da Hoamat“ plante. Es traten auf: Blueswurz, eine Band um Peter Schneider und Oskar Pöhnl mit oberpfälsischem Gesang , dessen Heimat dort liegt, wo der Blutwurz Schnaps herkommt. Williams Wetsox aus Huglfing, anzuschauen in einer Doku von Stofferl Well, der durch Bayern fährt und besondere Menschen trifft, z.B. William vor seinem Haus in Huglfing. Am Sonntag dann Schorsch & de Bagasch, schwarzer Blues von Schorsch Hampel, dem Bruder von Dr. Will. Auch über ihn gibt es eine Reportage, ausgestrahlt vom BR in der Reihe „Lebenslinien“; sehr sehenswert, sehr erschütternd… wenn man ihn noch nicht hat, dann packt er dich da, der Blues.

In der ersten Hälfte des Jahres 2010 besuchten Les Haricots Rouges die Jegelscheune, die von ihnen anscheinend nicht auf den Kopf gestellt wurde, wie man von dieser Band befürchten konnte. Ab dem 20. Februar dominierte der Blues mit Bands, die schon oft bei uns gespielt hatten: Miller Anderson, Bugs Henderson, Blues Company, Doug McLeod, der begnadete Songwriter und Storyteller und „Rockin‘ Gospel Blues“ mit Sharrie Williams & The Wiseguys. Die United Blues Experience brachten Fritz Rau mit, der aus seinem Buch „50 Jahre backstage – Am Anfang war der Blues“ las.

PS: Es läuft gerade parallel zum Schreiben die CD der United Blues Experience „The Cologne Concert“, Bernreuther, Bayer, Kossowska mit special Guest Richard Bargel. Ganz hervorragend! Manche Songs zum Weinen schön…

Der Herbst war vom 1. Oktober bis zum 3. Dezember eng gebucht, allerdings und zu meiner großen Freude, mit nur einem Genre, Blues plus.  Eric Bibb machte den Anfang, einen besseren Auftakt kann es kaum geben. Die Vargas Blues Band war wieder dabei, Hans Theessink & Terry Evans stellen ihre erste gemeinsame CD vor und wir erlebten abermals die Wahnsinns Stimme von Tad Robinson und die Gitarre von Alex Schultz, einmalig. Alex kam 4 Wochen später zusammen mit Raphael Wressnik. Graeme Lockart, der beliebte Singer/Songwriter war wieder da und erstmalig Rudy Rotta, angeblich der beste Blueser Italiens, Gerd hat ihn nicht wieder gebucht. Noch am Beginn seiner Karriere, aber schon mit Preisen ausgezeichnet, stand der noch recht junge und erfolgversprechende Sean Carney erstmals auf der Bühne. Aufgrund des guten Renommees der Jegelscheune hatte Gerd die Chance Mac Arnold & A Plate Full o‘ Blues zu buchen. Dieser Musiker spielte mit James Brown, Muddy Waters, John Lee Hooker und allen Größen des Blues, die zum „Who is Who“ der Szene gehören.

Elliott Murphy

Ich erwähne als letzte Band Elliott Murphy & The Normandy Allstars feat. Olivier Durand, weil Elliott Murphy zu meinen absoluten Lieblingsmusikern gehört und diese Konzert für mich eine besondere Bedeutung hat, die ich ev. später noch erzählen werde. Jedenfalls war dieses Konzert in der Jegelscheune äußerst eindrucksvoll. Grundlage für dieses Konzert war die CD dazu 2009 „live in Paris“ fantastisch und unübertroffen. Sie lief bei mir im Auto, wo ich ungehört mitsingen konnte, in Endlosschleife und noch heute sehr oft bei mir zu Hause. Olivier Durand, unbestritten ein Gitarrist der Weltklasse, und beide zusammeneinfach unbeschreiblich fesselnd und elektrisierend.

2011/ 2012

Wir nähern uns dem Ende der Ära Jegelscheune. Es fällt mir schwer diese zwei Jahre zu betrachten.

Erfreulicherweise strotzte 2011 nur so von tollen KünstlerInnen und einige meiner Lieblingsmusiker und meine Lieblingsmusikerin (wie zu sehen) waren dabei.

Patricia Vonne mit Gabriele Huke

Patricia Vonne – eine wahre Powerfrau mit wahrlich einzigartiger Stimme.  Texas Music Magazine: „stark, sinnlich, geschmeidig und endlos hörbar“. Ihre Bühnenperformance mit Gitarre, Kastagnetten und Tüchern ist packend und bezaubernd, ihre Bewegungen wie die Stimme geschmeidig und ausdrucksvoll, man könnte ewig zuschauen. Patricia vermischt ihre musikalischen Tex-Mex Wurzeln mit Rock, Country, Blues und dem mexikanischen Erbe des Corridas und Rancheras. Patricia ist in San Antonio in einer musikalische Künstlerfamilie geboren und mit 9 Geschwistern aufgewachsen. Einer ihrer fünf Brüder ist der Kult-regisseur Robert Rodriguez. Spanische Folklore wurde ihr „in die Wiege gelegt“, bei ihren Brüdern hörte sie texanische Musiker wie Steve Ray Vaughan oder Neal Black und n ihr Vater nahm sie schon frühzeitig mit zu Konzerten.

Im Herbst 2011 ging es weiter mit dem „Girl-Duo“ Madison Violet mit ihrer alternativen Country und Americana Musik. Entdeckt für Deutschland wurden sie durch einen Auftritt beim WDR-Rockpalast und konnten sich in Folge vor Anfragen kaum retten. Unter dem Titel „Blues Caravan“ bringt Ruf-Records seit 2005 speziell junge Musikerinnen auf die Bühne. Die „Girls with Guitars“ im Februar 2011 waren Dani Wilde, Cassie Taylor und Samantha Fish. Eine Blues-Powerfrau aus einer älteren Generation kam im April mit Maggie Bell in die Jegelscheune. Wir erlebten zusammen mit Dave Kelly Folk-Blues vom Feinsten. Für seine ganz eigene Mischung aus Folk, Blues, Zydeco war Chris Jagger schon bekannt. Dieses Mal trat er mit seinen langjährigen Musikerfreund Charlie Hart auf.

Oliver Mally

„Sir“ Oliver Mally, ebenso geliebt vom Publikum wie von mir, brachte Martin Gasselsberger am Piano mit. Einfach nur schööön! Unvergessen sein Projekt mit Violine und Akkordeon. Die beiden renommierten österreichischen Musiker Bernie Mallinger und Klaus Paier ergänzten Oliver zu einem traumhaften und Gänsehaut erzeugenden Trio. Blues aus Louisiana gab es wieder mit Larry Garner und etwas Mississippi mit Country und Folk präsentierten mit einem feinen Konzert Richard Bargel & Klaus „Major“ Heuser mit Band. Die BBs (B.B. & The Blues Shacks) mischten die Bühne auf, Terry Lee Hale gab sich wieder die Ehre, erstmals aber bei uns Mississippi Heat und ebenfalls erstmals in der Region aus New Orleans der Blueser und Storyteller Spencer Bohren.

Mike Zito

Der absolute Knaller dieses Jahres aber war für mich, und ich denke, auch für all unsere Gäste, Mike Zito! Ich habe dieses Konzert als so intensiv in Erinnerung, dass ich meinte, er wäre ganz oft bei uns aufgetreten. Mal wieder ein Hinweis, wie unser Hirn uns betrügen kann. Sein intensives Gitarrenspiel sowie seine eindringliche und wunderbare Stimme lassen niemanden unberührt, „Pearl River“ bleibt. Ich war und bin ein ganz großer Fan. Leider habe ich kein Foto von seinem Auftritt in der Jegelscheune. Unten deshalb eins vom Konzert der Royal Southern Brother Hood im Hirsch 2014.

Üblicherweise endete das Frühjahresprogramm mit Ende März, aber ebenso wie Dave Kelly und Maggie Bell hatte Gerd noch Neal Black & The Healers für Mitte April verpflichtet, weil sie zur Festivalzeit nicht auf Tournee waren. So konnte Neal in diesem vorletzten Jahr nochmals bei uns auftreten. Am 15. Mai, also zwei Wochen nach Ende des Festivals, gab es bemerkenswerter Weise noch ein Konzert in der Jegelscheune. Da Gerd für diesen Zeitpunkt auch noch nie einen Gig vereinbart hatte, musste die Susan Cowsill Band also was ganz Besonderes sein. So war es anscheinend, es kamen Musikkenner und Fachleute. Einer von ihnen war Peter Harasim. Es wurden schon vor dem Konzert Lorbeeren vergeben. Ich war offen wie immer, habe aber schon vor der Pause den Saal verlassen (müssen), was noch nie passiert war. Stimme und Musik waren für mich einfach unerträglich. Als ich unten in den Hof kam, stand dort schon Maya, Peters Frau, der es ebenso erging wie mir. Wir hatten beide die Flucht ergriffen, alle anderen schienen begeistert gewesen zu sein.

Der Herbst wurde neben Patricia Vonne und Madison Violett von 13 weiteren hervorragenden Konzerten bestimmt. Hans Theessink, auch über die Jahre zum Freund geworden, präsentierte seine Roots-Music solo. Ebenfalls handmade music gab es von der Martin Harley Band.

Andy Fairwether Low

Wer kennt Andy Fairwether Low nicht aus der Zeit mit Amen Corner, „bend me shape me“ hat wohl jede/r unsere Generation mitgesungen. Eher bekannt als zweite Hand neben seinem langjährigen Freund Eric Clapton tritt er auch mit seinen Low Riders auf. Ian Matthews, Frontmann der ebenfalls in den 60er / 70er Jahren gegründeten Bands  Fairport Convention und Matthews Southern Comfort war im Duo unterwegs. Bühnenpräsens zeigte wie immer Sax Gordon Beadle, unterstützt von der wunderbaren Jimmy Reiter Band. Eric Bibb wurde von Gerd im Flyer gar nicht mehr beschrieben, das Konzert am 18. November war vor Druck schon ausverkauft. Einen Tag später erlebten wir mit Monster Mike Welch ein Kontrastprogramm. Drei berühmte Väter- drei vielversprechende Söhne. Der Bandname CAST setzt sich zusammen aus: Coryell-Auger-Sample-Trio. Ein Höhepunkt im Herbst war sicherlich die Vargas Blues Band. Im Dezember folget mit Colin Hodgkinson & Frank Diez das Electric Blues Duo und am 16. präsentierte Dieter Knopp & Band ein Blues-Weihnachtsprogramm. 

2012 – The End

Blumen zum Abschied
Stammgast mit Blumen zum Abschied

Wie alle wissen, war das Frühjahr 2012 die letzte Saison für Gerd. Es gab viele Umarmungen, es flossen viele Tränen, es gab Aufmunterungen und Trostworte, aber im Grunde fragten wir uns alle, was nun? Wohin in Zukunft? So blieb es beim „Wir sehen uns beim Blues“.


Programmvorschau 2012

Aus dieser recht kurzen Vorschau auf das Frühjahr 2012 wurde dann doch noch ein längeres Programm. Gerd hatte noch Anfang des Jahres Buchungen vorgenommen, so dass sich zwei Flyer zeitlich überschnitten. Das Programm in den zehn Wochen des Frühjahrs unterschied sich im Wesentlichen nicht von den Vorjahren. Es kamen nochmals tolle Musiker und eine Musikerin: Cassie Taylor, bekannt von den „girls with guitars“ dieses Mal nicht im Blues Caravan unterwegs, sondern im Trio mit dem Gitarristen Jack Moore, Sohn von Gary Moore. Ich muss gestehen, dass ich merkwürdigerweise gerade die Veranstaltungen der letzten Wochen bis auf zwei Konzerte kaum in Erinnerung habe. Begonnen hat das Jahr wie so oft mit Christian Willisohn an Gerds Geburtstag. Klar, dass er nochmals kam um Gerd mit einigen seiner New Orleans Lieblingssongs zu erfreuen.

Toscho-Mike

Es folgte die wunderbare Band US Rails, die mit Sicherheit wiedergekommen wäre. Richie Arndt, Timo Gross & Alex Conti als akustisches Gitarrentrio sprechen für sich. Die Blues Company schob Gerd noch für Ende Februar ein. Toscho und Mike, die zwei langjährigsten Mitglieder wollten sich bei Gerd verabschieden und präsentierten mit Schlagzeuger Florian und Bassist Arnold ihre Akustik-Show. Spencer Bohren, der Storyteller aus New Orleans, brachte auf ruhige Art schon den Spirit der Crescent City für das noch folgende Festival mit. 

Die Gäste, die das „Leadbelly Project“ im Vorjahr noch nicht gesehen hatten, erlebten ein ungewöhnliches Konzert. Sänger James O. Belcher und Gitarrist Poembeat interpretierten die Bluesklassiker auf eine ganz neue und vor allem eigene Art. Egidio „Juke“ Ingala, der vitale Harpspieler und Sänger, sprang bei seinem Konzert auf Tische und Stühle.

Nun aber zu den beiden Konzerten, die Gerd und mir unvergessen geblieben sind (alle anderen Musiker mögen es verzeihen). DEL CASTILLO und MILLER ANDERSON. 

Del Castillo (s. „backstage“, Festival 2009 ) waren dreimal auf der Hauptbühne des Festivals. Immer ein musikalisches Feuerwerk. Das Feuerwerk war nun kleiner, aber nicht weniger furios. Die Band bot eine extra für uns gestaltete akustische Cajon Show in ihrer unnach-ahmlichen Mischung aus Latin, Rock, Blues, Mexican, Flamenco. Es war zum Weinen schön! 

Und wirklich… so war es nach der Show: Wir standen wie so oft mit Gästen und Musikern im Vorraum herum, schwatzend und CDs (ver)kaufend, die Stimmung schwankte zwischen aufgekratztem Übermut und Schwermut. Bert, der Bassist, schaute mich mitten in einem anderen Gespräch an und rief plötzlich schwer seufzend über die Theke „Gabrielle!“. Ihm wie auch mir schossen die Tränen in die Augen. Wir fielen uns um den Hals und er sagte immer wieder, dass er uns von ganzem Herzen dankbar dafür wäre, dass wir die Band nach Deutschland geholt hätten. Er wäre sonst nie nach Europa gekommen. Und ich war gleichermaßen glücklich diese Band live erlebt und diese netten „Jungs“ kennengelernt zu haben.

mit Del Castillo mit Del Castillo mit Del Castillo mit Del Castillo mit Del Castillo mit Del Castillo mit Del Castillo mit Del Castillo


Der Wendelsteiner Sommer in der Jegelscheune endete mit einem Abschiedskonzert der Sonderklasse. Miller Anderson kam Gerd zu Ehren extra für diesen einzigen Auftritt.

„Ein toller Lohn für unsere Arbeit!!!”

Selbstverständlich war dies der tolle Lohn für Gerds Engagement! Aber ich spürte und spüre durch diesen Satz unsere enge Verbundenheit und die gemeinsame Liebe zum Blues.   

DANKE DEL CASTILLO! DANKE MILLER ANDERSON! DANKE GERD!

DANKE AN ALLE MUSIKER und MUSIKERINNEN! DANKE AN UNSERE GÄSTE!

Keepin‘ the blues alive!


Liner-Notes von Marie Trout zur CD „full circle“ von Walter Trout, 2005, Fettdruck-Markierung von Gabriele

„So this is not just a personal CD, it is a celebration of where the blues world is, where it has been and where it is going. It is about breaking down barriers between „blues purists“ and „blues rockers“. It is about acknowledging that the blues is alive, it is vibrant, and it is not held hostage by the critics who want to brand, label and limit its expression. The blues exists as a living testimony to the people and the places that create this honest form of music.“


Die Jegelscheune

AUS DIE MAUS

Die Huke-Ära in der Jegelscheune endete nach 22 Jahren.

Ich habe in dieser Woche zum ersten Mal auf die Website der Jegelscheune geschaut. Das Wendelsteiner Kulturgeschehen beginnt bezeichnender Weise dort mit Herbst 2012! Ohne Rückblick, ohne ein Wort zur Geschichte, ohne auch nur die Ära Huke zu erwähnen. Fast 30 Jahre MusikKultur gelöscht. Nicht einmal über Google findet sich ein Eintrag über die Vorjahre.

»BACKSTAGE«

the years after

Im Jahr 2012 haben sich nicht nur unser Publikum und wir gefragt, was nun, sondern auch viele der Musiker, die in der Region nur beim Gerd aufgetreten sind. Es ergab zwangsläufig so, dass wir viele unserer ehemaligen Gäste nach einiger Zeit in Clubs in der Nähe wiedertrafen. In denen nun auch einige „unserer“ Musiker auftraten. So ergaben sich für die Bands mit größerer Bühnenshow bzw. mit größerem Publikumsandrang das Bluesfestival in Roth und ganzjährig der „Hirsch“, ev. noch die Kammerspiele in Ansbach, für den kleineren Rahmen aber bot sich die Kofferfabrik an. Das bedeutete, dass unzählige Bands, die nun im Nürnberger Raum einen intimeren Rahmen suchten, hier fündig wurden. So z.B. Neal Black & The Healers, Steve Gibbons, Ludwig Seuss, Dr. Will und auch BB & The Blues Shacks oder Michael Merwyck und viele mehr.

Javier Vargas, Rother Bluestage 2013
Javier Vargas, Rother Bluestage 2013

Auch Miller Anderson trat in der Kofferfabrik auf, zum letzten Mal kurz vor den Corona-Schließungen. Auch ich hoffe, dass Udo, „Chef de Koffer“ sein großartiges Engagement weiterführen kann und dort wie überall wieder viele tolle MusikerInnen auftreten können. Besuchten Gerd und ich Konzerte im Hirsch, so setzte sich Gerd an die rückwärtige Wand zu anderen „Sitzbedürftigen“, ich bin zu allererst durch den Saal „getigert“, habe geschaut, wen ich so kenne und bin dann meistens, eher bewegungsfreudig, hinten stehen geblieben. Unsere Blicke aber trafen sich häufig, wenn wir uns gleichzeitig über herausragende Passagen oder packende Soli während eines Konzertes freuten. „Gefachsimpelt“ wurde auch hier vor und nach den Konzerten mit anderen begeisterten Fans.   

Devon Allman, Mike Zito, Hirsch 2014
Devon Allman, Mike Zito, Hirsch 2014

Ein Problem für einige unserer Stammgäste war leider wie auch für Gerd, dass es im Hirsch nur Stehkonzerte gab, in der Kofferfabrik sehr oft. Das gesamte Umfeld dieser üblichen Art von „Clubs“ war ein anderes als der Komfort in der Jegelscheune und für manchen Gast durchaus gewöhnungsbedürftig. Dennoch sind wir, später ich, immer wieder auf alte Bekannte getroffen. Das war sehr schön und ich bin froh, dass es speziell diese beiden Clubs, das Jazzstudio sowie Blues Will Eat und die Rother Bluestage für unseren Musikgeschmack gab und immer noch gibt. Auch über den Großraum Nürnberg hinaus haben wir sowohl Musiker als auch ehemalige Besucher nach 2012 getroffen, in Clubs, bei Festivals. Und ganz ohne Musik, in der Altstadt, in der wir nun wohnten, in Cafes, auf der Straße, wo-auch-immer. Es wurden freudig Erinnerungen ausgetauscht, wehmütig erinnert, gewehklagt, gelobt, bedankt …