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Sein Wirken

Wie Gerd Huke und die Kultur nach Wendelstein kamen

John Hammond, LP, 1967

Mit dem Blues-Virus infiziert wurde Gerd in seiner Jugend durch die erste Platte von John Hammond und durch Kontakte in Herzogenaurach mit amerikanischen GIs und deren black music.

Gerd zog nach Erlangen um Jura zu studieren und war, wie schon als Schüler und Kriegsdienstverweigerer, ab 1967 in der Studentenbewegung politisch aktiv.

Als Weston, ein naher Freund, von der US Armee nach Butzbach in Hessen verlegt wurde, ging Gerd zum Studium nach Giessen. Dort lernten wir uns kennen. Auf das Jurastudium folgte ein Studium der Germanistik und Soziologie. Im Jahr 1983 zog ich wegen meiner ersten Arbeitsstelle nach Nürnberg. Gerd folgte mir kurz darauf. So kehrte er zurück in seine alte „Heimat“ nach Franken.

Ein Jahr später lasen wir die Anzeige in der NN, dass der Markt Wendelstein eine befristete Stelle als Organisator des Ferienfreizeitplans zu vergeben hat. Gerd bewarb sich und wurde genommen. Kurz darauf folgte die Ausschreibung der Stelle eines Kulturreferenten. Gerd bewarb wieder und wurde eingestellt. Es gab keine Vorgaben, keinen Plan, es existierte lediglich der Titel eines Kulturprogramms: „Wendelsteiner Sommer“. Die Aussage des damaligen Bürgermeisters Wolfgang Kelsch war „Machen Sie was draus“. Tja, und so machte Gerd ein paar Jahre später das, was für uns alle glücklicherweise schon seine Passion war.

Die ersten Jahre (1985 bis 1991)

In den ersten Jahren glich das Programm einem Gemischtwarenangebot. Gerd wollte ein weit gefächertes Kulturprogramm anbieten, das auf die Wendelsteiner BürgerInnen zugeschnitten sein sollte. Eindeutig sichtbar war aber schon sein Anspruch auf Qualität.

Zu Beginn griff Gerd auf Kontakte in Franken zurück: z.B. Thomas Fink, Fitzgerald Kusz, Herbert Beck, Günter Stössel, Klaus Brandl und Klaus Schamberger. Das Kulturprogramm umfasste Lesungen, unterschiedliche Musikdarbietungen, Kunstausstellungen und Kabarett. So gastierten bis 1987 z.B. Hans Scheibner, Lisa Fitz, Wolf Peter Schnetz, Hans Dietrich Hüsch, Thomas Freitag. Austragungsorte waren die Halle des TSV, die Gärten der beiden Rathäuser, das Heimathaus, das Taglöhnerhaus sowie Räumlichkeiten verschiedener Gasthäuser.

Schier unglaublich blieb der schrille Auftritt von Georg Ringsgwandl in Erinnerung: ein spindeldürrer, zappeliger, chaotischer Mann, das Gesicht grell geschminkt in einem grünen Müllsack auf der Turnhallen-Provinzbühne. Nicht weniger eindrucksvoll und faszinierend performte mit „ois is blues“ vorher schon Willi Michl, der „Isar Indianer“ aus München. Über beide Abende wurde in der Presse euphorisch berichtet. Bemerkenswert: Beide hatten hervorragende Begleitmusiker dabei. Willi Michl trat mit Peter Schneider auf. Daraus ergab sich der Kontakt zu weiteren Münchner Bluesmusikern wie Nick Woodland, Ludwig Seuss, Al Jones, Christian Willisohn, Dr. Will und vielen mehr. Sie blieben der Wendelsteiner Kultur über viele Jahre, z.T. Jahrzehnte, treu und mit uns freundschaftlich verbunden.

Das allererste „richtige“ Blueskonzert fand im April 1986 statt. Angekündigt mit „Klein-Chicago in Wendelstein“ trat der Gitarrrist/Sänger Paul M. Vilser aus Regensburg auf. Er spielte in einem eher ungastlichen Raum, der gar nicht für Blues geeignet schien. Dennoch war das Konzert gut besucht und wurde begeistert aufgenommen.

Wendelstein ist bereit für den Blues!

In den Jahren `87 und `88 traten neben amerikanischen Musikern wie Buster Benton und die Gospelsängerin Jan Harrington auch Nürnberger Lokalmatadoren wie z.B. Kevin Coyne, Klaus Brandl und Chris Schmitt auf. Ein erstes Rhythm & Blues Weekend gab es am 7./8.Oktober 1989 in der Rangauhalle mit diesen Bands: NC Brown Blues Band, Kevin Coyne, Bluesgangsters, Supercharge und Louisiana Red mit einem „sensationellen Auftritt“. Es kamen 700 Fans! Stefan Mößler im Schwabacher Tagblatt: „…das vom Kulturreferat… bestens organisiert, wurde zu einem Erlebnis für alle Bluesfans. Der gute Name … sollte genutzt werden, um ohne zu zögern mit der Planung des zweiten Weekends zu beginnen. Wendelstein könnte damit wieder einmal beweisen, dass es in Sachen Kultur weisend für den gesamten Landkreis in Sachen Kultur ist.“

Die Kabarettabende fanden weiterhin statt. So z.B. mit Gerhard Polt und seinem umjubelten Autritt.

Im Frühjahr 1990 erregten zwei Stargastspiele aus den USA große Aufmerksamkeit in der Presse: Die Johnny Thompson Singers, authentischer Gospel, und The New Orleans Blue Serenaders. Zu diesen beiden Veranstaltungen gab das Kulturreferat eine mehrseitige DIN-A-5 Broschüre heraus, in der Gerd zum ersten Mal ausführlich die Hintergründe der Musik beschrieb. Gerds „Handschrift“ kommt nun schon deutlicher zum Ausdruck. Der Blues tritt in den Vordergrund. Mit Big Time Sarah wurde Ende April wieder einmal ein außergewöhnliches Ereignis geboten. Die Sängerin brachte die Halle mit 450 Zuschauern zum Kochen.

Ende Mai dann das 2. Blues-Weekend. Laut NZ vom 6.6. 91 ein Blues-Großereignis, „ein umjubelter Höhenflug für Blues Fans.“ Als Hauptact hatte Gerd die Chicago Allstars gebucht mit dem schon damals nicht mehr jungen Gitarristen Hubert Sumlin. Er spielte 23 Jahre bei Howlin Wolf, sowie mit Muddy Waters und sonstigen Blues-Größen. Der Höhepunkt am 2. Tag war die Münchener Band um den Gitarristen Al Jones mit Ludwig Seuss u.a. Der eindeutige Höhepunkt aber war in diesem Jahr wohl das mit 500 Fans besuchte Konzert von Stan Webb & Chicken Shack. „Aus ganz Franken waren sie angereist um den Auftritt mitzuerleben. Da nimmt man auch in Kauf, dass anstelle eines Konzertsaals eine bestuhlte Turnhalle vorzufinden ist. Dies ist ja leider ein altbekanntes Problem des Wendelsteiner Kulturreferenten Gerd Huke. Jedes Jahr stellt er ein weitum anerkanntes Kulturprogramm auf die Beine…, NN,5.12.91

Anstelle eines großen Konzertsaals gab es einen Lichtblick ganz anderer Art: die kleine Bühne im Bürgersaal der Jegelscheune wurde mit „Spezi“ Klaus Schamberger eröffnet.

Ab November 1991 konnte der kleine Kulturraum, zunächst als Bürgersaal bezeichnet, im ersten Dachgeschoss der umgebauten Jegelscheune bespielt werden. Es war ein Glücksfall, tolle Akustik, sehr gutes Piano, bequeme Stühle, familiäre Atmosphäre. Gerd konnte dort nun eine Reihe kleinerer Veranstaltungen organisieren. Trotz unterschiedlicher Kulturangebote mutierte die Jegelscheune in den Folgejahren zum „Bluesclub“, der nach seinem Äußeren gewiss keiner war.

Musiker, die zum ersten Mal in die Jegelscheune kamen, waren nicht nur von dem konzertanten Raum, sondern auch von der Aufmerksamkeit des Publikums begeistert. Oftmals hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Es gab Bands, die beim Soundcheck entschieden, ihr Programm umzustellen und mehr akustisch bzw. eher ruhigere Stücke zu spielen. Bei härteren Gangarten des Blues allerdings meinte man zuweilen das Dach der Jegelscheune abheben zu fühlen. 

Die Nachfrage von Agenten und Musikern nach einem möglichen Auftritt wuchs rasant, Gerd konnte sich vor Angeboten kaum retten. Und alle, die einmal da waren, machten oft gleich einen nächsten Auftritt mit ihm aus. Andere, die von der intimen Atmosphäre und der hervorragenden Akustik der Jegelscheune hörten, wollten unbedingt auch dort spielen. Die Qualität wurde hochgehalten; Besucher konnten sich darauf verlassen, dass das, was der Huke macht, schon gut sein wird.

Duke Robillard, 19. 2. 2002

Wir hatten Musiker aus der ganzen Welt und Gäste, die aus ganz Franken bzw. Bayern kamen und sehr bald weit darüber hinaus. Zu einem Konzert kam ein Ehepaar mit einem Privatflugzeug aus Hamburg. Sie riefen vorher bei Gerd an um nach einem Flugplatz zu fragen. Durch Gerds gute Kontakte im Ort hat auch das geklappt. Ich meine es wäre das Konzert von Duke Robillard gewesen, der nur wenige Auftritte auf dieser Tour absolvierte. 

Ja, Gerd holte für uns alle die musikalische Welt nach Wendelstein. Die „berühmte“ Fotogalerie der MusikerInnen im ganzen Haus, vor allem im Treppenaufgang, sprach Bände und erzählte in Bildern die Musikgeschichte der Huke-Ära.

Die Geschichte zu diesem Foto

Gerd und Gabriele Huke, 2010

Da die 100 Plätze in der Jegelscheune fast immer ausverkauft waren, saßen Gerd und ich meistens außen im Vorraum. An einem Abend wurden wir fotografiert mit der Bemerkung: „Ihr sitzt da wie ein altes Herbergsehepaar, das zufrieden auf seine Schützlinge schaut.“ In der Tat war es so, dass wir über die lange Zeit mit vielen Gästen sehr verbunden waren. Die Jegelscheune wurde für uns fast zu einem zweiten Wohnzimmer.

John Hammond

John Hammond, Plakat Jegelscheune

Eindeutiger Höhepunkt in den 29 Jahren seiner Tätigkeit war für Gerd sicherlich der erste Auftritt seines Bluesidols John Hammond in der Jegelscheune im Oktober 2000. Ich erinnere mich an die erste Begegnung nachmittags beim Eintreffen zum Soundcheck. Gerd schien, vielleicht nur für mich sichtbar, aufgeregt und leicht blass. Ich war gespannt auf dieses Treffen, freute mich für Gerd und war ungeheuer stolz auf ihn. John war ein äußerst sympathischer, unaufgeregter und liebenswerter Gast. Ebenso seine Frau, die ihn stets begleitete. Dank der ”guten Chemie” sagte John Hammond zu, wieder nach Wendelstein zu kommen. Es klappte zum Festival in 2002 und in 2005. Über seine fabelhafte Musik und diese Auftritte gibt es mehr zu lesen im Kapitel „New Orleans Music Festival“.